I. Spielhintergrund
1.1 Weltbild und Setting
Die Geschichte von „The Last Blade 2“ (japanischer Originaltitel: „Bakumatsu Roman: Dai Ni Maku Gekka no Kenshi“) spielt in der japanischen Bakumatsu-Ära – einer turbulenten Zeit, in der Schwerter auf Feuerwaffen trafen und das Bushido-Ideal mit der aufkommenden Moderne kollidierte. Im Jahr 1864 färbt sich der Abendhimmel über Kyoto blutrot – die „Priesterin der Versiegelung“ wird von der Macht des Höllentors kontrolliert, und das Tor zum Jenseits steht kurz vor der Öffnung. Die vier Götter – Seiryu, Suzaku, Byakko und Genbu – haben ihre jeweiligen Krieger auserwählt, um in diesen „Versiegelungskrieg“ einzugreifen, der über das Schicksal der Welt entscheidet.
Der Vorgänger „The Last Blade“ (1997) drehte sich um die erste Öffnung des Höllentors. Im Ende des ersten Teils besiegte der Protagonist Kaede seinen Ziehvater Kagami, der von der Macht des Höllentors besessen war, und befreite ihn von der dunklen Energie. In „The Last Blade 2“ taucht jedoch eine neue Bedrohung auf: „Der Ewige“ (The Eternal), Kouryu – ein Wesen mit der Macht, Raum und Zeit zu manipulieren, das versucht, ganz Japan mit der Kraft des Höllentors in ewige Dunkelheit zu stürzen. Kaedes Mentor Moriya kehrt nach Jahren des Verschwindens zurück – doch diesmal ist er nicht nur Kaedes Rivale, sondern trägt ein unaussprechliches Schicksal auf seinen Schultern.
„The Last Blade 2“ ist die tiefgründigste und ästhetischste Interpretation der „Bakumatsu“-Ästhetik in der Geschichte der Kampfspiele. Während Capcoms „Samurai Shodown“-Serie den Stil von Ukiyo-e-Holzschnitten nutzt, wählt SNKs „The Last Blade“ einen anderen Weg: Mondlicht, fallende Kirschblütenblätter, vom Wind aufgewirbeltes Laub, Regentropfen unter einem Ölpapier-Schirm – seine visuelle Sprache ist lyrische Poesie statt blutiger Darstellung. Wenn „Samurai Shodown“ Akira Kurosawa ist, dann ist „The Last Blade“ Masaki Kobayashi.
1.2 Entwicklungsgeschichte
„The Last Blade 2“ wurde im November 1998 von SNK für das Neo Geo MVS-Arcade-System veröffentlicht. Es gilt als eines der am meisten gefeierten Waffenkampfspiele von SNK und wird oft zusammen mit Capcoms „Samurai Shodown II“ als eines der „zwei Juwelen des Schwertkampfes“ genannt.
Im Vergleich zum ersten Teil (1997) wurde das grundlegende „Schwert-Qualitäts“-System von Grund auf neu konzipiert. Während der erste Teil zwei Stile bot – „Kraft“ (Power) und „Technik“ (Speed) –, fügte der zweite Teil einen dritten hinzu: „Extrem“ (Extreme). Diese scheinbar einfache Ergänzung hob die spielerische Tiefe auf eine neue Ebene. Das Charakteraufgebot wurde von 12 auf 16 reguläre Kämpfer plus 2 versteckte Bosse erweitert, darunter neue, markante Krieger wie Setsuna, Hibiki Takane und Kojiroh Sanada.
Das Spiel erhielt von Kritikern hohe Auszeichnungen und gilt als der Höhepunkt der Neo Geo-Kampfspiele in Bezug auf Grafik, Animationsqualität und Systemtiefe. Es erschien auf Plattformen wie Neo Geo AES/CD, Neo Geo Pocket Color (vereinfacht als „The Last Blade GB“), Dreamcast (unter dem Titel „The Last Blade 2: Heart of the Samurai“) und wurde in den letzten zwei Jahrzehnten über die ACA Neo Geo-Serie kontinuierlich auf modernen Konsolen veröffentlicht.
II. Charaktervorstellung
„The Last Blade 2“ bietet 16 reguläre Charaktere und 2 versteckte Bosse. Jeder Charakter verändert sein Gameplay grundlegend je nach gewähltem Schwertstil („Kraft“, „Technik“, „Extrem“).
Hauptcharaktere
Kaede — Seiryu (Blauer Drache)
| Attribut | Bewertung |
|---|---|
| Angriffskraft | ★★★★☆ |
| Geschwindigkeit | ★★★★☆ |
| Kombo-Fähigkeit | ★★★★★ |
| Schwierigkeit | ★★★☆☆ |
- Schwert: Hayate.
- Signatur-Moves: Shinmyou-Hayate-Zan (Anti-Air-Schlag), Ittou-Kouga (Hochgeschwindigkeits-Stoß), Erwachte Super-Technik: Shinmyou-Renjin-Zan (Multi-Hit-Combo).
- Gesamtbewertung: Der Protagonist auf dem Cover beider „The Last Blade“-Teile. In der Geschichte des zweiten Teils hat Kaede seinen Ziehvater Kagami bereits besiegt und das Höllentor zum ersten Mal versiegelt. Sein Moveset basiert auf dem klassischen „Projektil + Uppercut“-Schema, ergänzt durch einen „Speed-Iaido“-Stil – schnell, hohe Kombo-Dichte und starker Druck. Im kompetitiven Bereich ist Kaedes „Technik“-Modus (mit Ketten-Kombos) die häufigste Wahl.
Moriya Minakata — Schicksal
| Attribut | Bewertung |
|---|---|
| Angriffskraft | ★★★★★ |
| Geschwindigkeit | ★★★☆☆ |
| Kombo-Fähigkeit | ★★★☆☆ |
| Schwierigkeit | ★★★★☆ |
- Schwert: Yasha.
- Signatur-Moves: Ittou-Tsukikage (Hochgeschwindigkeits-Iaido), Ittou-Minazuki (Verfolgungsschlag), Ittou-Izayoi (Serienschlag).
- Gesamtbewertung: Kaedes Mitschüler und ein einsamer Schwertkämpfer, der wie Kagami aus derselben Schule stammt. Sein Iaido-Stil gehört zu den schadensstärksten Einzelangriffen im Spiel – er setzt nicht auf Kombo-Dichte wie Kaede, sondern auf die Präzision eines „tödlichen Schlags“. Seine Geschichte ist die komplexeste der Serie – er lehnt die Macht des Höllentors ab und sehnt sich zugleich danach, gefangen zwischen Loyalität und zerstörerischer Kraft.
Yuki — Eis-Priesterin
| Attribut | Bewertung |
|---|---|
| Angriffskraft | ★★★☆☆ |
| Geschwindigkeit | ★★★☆☆ |
| Kombo-Fähigkeit | ★★★★☆ |
| Schwierigkeit | ★★★★☆ |
- Waffe: Eis-Katana. Nutzt Eismagie zur Unterstützung ihres Schwertkampfes.
- Signatur-Moves: Hyoushin-Yukigeshou (Eissäulen am Boden), Souka-Hyouchu (Eiszapfen aus der Luft), Touga-Fubuki (Eissturm).
- Gesamtbewertung: Die einzige Kämpferin, die Eismagie vollständig mit Schwertkunst verbindet. Yukis Eissäulen können die Bodenbewegung des Gegners einschränken – sie friert den Gegner an einer bestimmten Stelle ein und setzt dann mit Schwertangriffen nach. Ihre defensive Kontrolle ist besonders im „Kraft“- und „Extrem“-Modus hervorragend.
Setsuna — Dunkler Schwertkämpfer
| Attribut | Bewertung |
|---|---|
| Angriffskraft | ★★★★★ |
| Geschwindigkeit | ★★★★☆ |
| Kombo-Fähigkeit | ★★★★☆ |
| Schwierigkeit | ★★★★☆ |
- Waffe: Nameless Dark.
- Signatur-Moves: Mumyou-Yamagari (Schwarznebel-Angriff), Mujou-Yamatsune (Riss-Schlag), Mukan-Jouyami (Dunkler Vollbild-Schlag).
- Gesamtbewertung: Der markanteste neue dunkle Schwertkämpfer des zweiten Teils. Setsuna ist ein Wesen, das vollständig von der Macht des Höllentors verschlungen wurde – sein Körper ist ein Gefäß für die Dunkelheit. Seine Moves basieren auf einer „Verschwinden → Erscheinen“-Teleportationslogik – der Gegner weiß nie, aus welcher Richtung er als Nächstes angreift. Kompetitiv gesehen ist er einer der stärksten „High Risk, High Reward“-Charaktere.
Hibiki Takane — Iaido-Mädchen
| Attribut | Bewertung |
|---|---|
| Angriffskraft | ★★★☆☆ |
| Geschwindigkeit | ★★★★★ |
| Kombo-Fähigkeit | ★★★★★ |
| Schwierigkeit | ★★★★☆ |
- Waffe: Iaido-Schwert.
- Signatur-Moves: Kanzaki-Ryu-Isshin (Klassisches Iaido – Einstecken → Ziehen → Einstecken in einer Dreier-Kombination), Kanzaki-Ryu-Minazuki (Spiral-Iaido-Schlag).
- Gesamtbewertung: Die beliebte neue Schwertkämpferin des zweiten Teils. Ihr Iaido-Stil ist visuell extrem elegant – sie steckt das Schwert ein, und in dem Moment, in dem man denkt, sie gibt auf – zuschlagen. Ihre Angriffsframes sind extrem kurz, sie ist schnell, aber der Einzelschaden ist gering. Spieler müssen die „Hit-and-Run“-Taktik beherrschen. Ihr Ziel im Kampf ist nicht, den Gegner zu unterdrücken, sondern ihn dazu zu bringen, „nie wieder anzugreifen, während sie ihr Schwert einsteckt“.
Kojiroh Sanada — Schattenkrieger
| Attribut | Bewertung |
|---|---|
| Angriffskraft | ★★★★☆ |
| Geschwindigkeit | ★★★★☆ |
| Kombo-Fähigkeit | ★★★☆☆ |
| Schwierigkeit | ★★★★☆ |
- Waffe: Ninja-Schwert + Shuriken + Rauchbombe.
- Gesamtbewertung: Ein neuer Ninja-Charakter. Kojiroh Sanada basiert historisch auf einem echten Schwertkämpfer, wird im Spiel jedoch als Schattenkrieger neu interpretiert, der die Priesterin beschützt. Seine Item-Angriffe machen ihn zum Charakter, der am stärksten auf „Distanzkontrolle + Fallen“ statt auf direkten Schwertkampf setzt.
Kouryu — Endboss / Versteckter Charakter
- Waffe: Schwert von Raum und Zeit. Kann den Zeitfluss anhalten, umkehren und beschleunigen.
- Gesamtbewertung: Einer der prachtvollsten Bosse in der Geschichte der SNK-Kampfspiele. Kouryu kann die Zeit manipulieren – er kann sie anhalten (Gegner erstarrt, er kann sich frei bewegen), umkehren (deine Angriffsflugbahn kehrt in die Vergangenheit zurück – deine eigenen Angriffe treffen dich) und beschleunigen (Hochgeschwindigkeits-Kombos). Um ihn zu besiegen, muss man in den Zeitfragmenten ein kurzes Sicherheitsfenster finden.
Weitere Hauptcharaktere
- Kagami: Endboss des ersten Teils, Kaedes Ziehvater – kehrt im zweiten Teil als spielbarer Charakter zurück. Sein Feuer-Schwertstil bildet einen Kontrast zu Kaedes Wind-Moves.
- Akari Ichijo: Ein lebhaftes Onmyoji-Mädchen, das Talismane und Shikigami verwendet. Der einzigartigste Fernkampf-Charakter im Spiel.
- Amano Hyo: Ein wandernder Schwertkämpfer auf der Suche nach dem „stärksten Schwert“. Sein Stil ist klassisches „Ittou-Ryu“ – die Kombination aus schweren Schlägen und präzisem Timing.
- Juzoh Kanzaki: Ein Kraftprotz mit einem riesigen Holzschwert. Ein Greif-Charakter, der nach einem erfolgreichen Griff die halbe Lebensleiste des Gegners abziehen kann.
- Okina: Der gealterte Wächter des Genbu, der einen riesigen eisernen Schildkrötenpanzer als Schild und Waffe nutzt. Ein defensiver Charakter, der fast alle physischen Angriffe blocken und mit massivem Schaden kontern kann.
- Washizuka Keiichiro: Kapitän der Shinsengumi. Orthodoxe Samurai-Schwertkunst – Stiche, Oberschläge, diagonale Schnitte; seine Moves sind schlicht, aber jeder Treffer ist extrem schwer.
- Shikyoh: Ein dunkler Magier, der den Gegner mit Marionettenfäden kontrolliert. Sein Gameplay ist völlig anders als das gewöhnlicher Kampfspielcharaktere – es fühlt sich eher wie ein Echtzeit-Strategiespiel an.
- Zantetsu: Ein blinder Attentäter, der zwei Schwerter führt. Sein in der Dunkelheit trainierter Sinn verleiht ihm eine Wahrnehmung, die über das Visuelle hinausgeht – seine Verteidigungs- und Konter-Timings sind für normale Gegner unvorhersehbar.
- Shigen Naoe: Ein ehemaliger Ninja, der eine Kusarigama (Kettensichel) verwendet. Die Distanzkontrolle der Kettensichel gibt ihm den Vorteil bei der ersten Attacke gegen Nahkämpfer.
- Lee Rekka: Ein Feuer-Kampfkünstler aus China. Er kombiniert chinesische Kampfkunst mit Feuerelementen – Feuerkicks, Feuerhandflächen, Feuerwirbel – und kämpft auf einem Schlachtfeld voller Schwerter mit bloßen Händen gegen Stahl.
III. Steuerung
3.1 Grundlegende Steuerung
4-Tasten-Layout – das klassische Neo Geo-Design:
| Taste | Aktion | Beschreibung |
|---|---|---|
| A (Leichter Schlag) | Schneller leichter Angriff | Geringster Schaden, für Kombo-Starts und Unterbrechungen |
| B (Schwerer Schlag) | Schwerer Angriff | Langsam, aber hoher Schaden und große Reichweite |
| C (Tritt) | Tritt | Distanzkontrolle, tiefer Angriff |
| D (Verteidigung/Parade) | Verteidigung / Parade | Blocken oder Parieren von gegnerischen Angriffen |
3.2 Schwert-Qualitäts-System – Die Seele des Spiels
Die wichtigste Innovation von „The Last Blade 2“ ist die „Schwert-Wahl“. Bei der Charakterwahl musst du zuerst den Schwertstil wählen – diese Entscheidung ändert grundlegend deinen Spielstil.
Kraft (Power)
- Keine Ketten-Kombos (Chain Combo) möglich – Angriffe müssen präzise innerhalb bestimmter Frames eingegeben werden.
- Nach Aufladung der Wutanzeige kann eine Super-Technik entfesselt werden – extrem hoher Einzelschaden.
- Alle normalen Angriffe und Spezialtechniken haben den höchsten Schadenswert.
- Kernphilosophie: Eine Chance, ein tödlicher Schlag. Du suchst nicht nach Kombo-Dichte, sondern nach der Qualität jedes einzelnen Schlags.
Technik (Speed)
- Ketten-Kombos möglich – Leichter Schlag → Schwerer Schlag → Spezialtechnik können kontinuierlich gecancelt werden.
- Der Schadenskorrektur-Mechanismus während Kombos macht den Gesamtschaden langer Kombos vergleichbar mit kurzen Kombos im „Kraft“-Modus.
- Verfügt über „Parade“ (Deflect) – Drücke D im Moment vor dem gegnerischen Treffer, um den Angriff abzuwehren und den Gegner kurzzeitig zu lähmen.
- Kernphilosophie: Flüssig, elegant, unvorhersehbar. Du suchst nicht nach hohem Einzelschaden, sondern nach kontinuierlichem Druck, der den Gegner nicht aufstehen lässt.
Extrem (Extreme)
- Besitzt sowohl den Schadensbonus von „Kraft“ als auch die Ketten-Kombo-Fähigkeit von „Technik“.
- Preis: Die Verteidigung ist stark reduziert (erlittener Schaden ist mehr als 1,5-mal so hoch wie im normalen Modus).
- Die Wutanzeige lädt sich am langsamsten auf.
- Kernphilosophie: „Glaskanone“. Du bist der stärkste Angreifer im Spiel, aber auch der zerbrechlichste Verteidiger. Jeder Fehler kann tödlich sein – aber wenn du zuerst triffst, hat dein Gegner keine zweite Chance.
3.3 Parade-System – Die Kunst der SNK-Verteidigung
Die Parade ist der einzigartigste Verteidigungsmechanismus der „The Last Blade“-Serie. Drücke D (Verteidigungstaste) im Moment, bevor der gegnerische Angriff trifft – eine erfolgreiche Parade lässt deinen Charakter den Angriff elegant abwehren, und während der kurzen Lähmung des Gegners kannst du einen Konter ausführen. Das Zeitfenster für die Parade ist extrem kurz – etwa 6 Frames im „Technik“-Modus und 8 Frames im „Kraft“-Modus – etwas großzügiger als das „Parry“ in „Street Fighter III“, erfordert aber dennoch hohe Konzentration und Vorhersehbarkeit.
3.4 Wutanzeige
Die Wutanzeige steigt, wenn du angegriffen wirst oder Angriffe blockst. Wenn sie voll ist, tritt der Charakter in den „Wut“-Zustand ein – die Angriffskraft steigt vorübergehend, und Super-Techniken (Super Special) können entfesselt werden. Super-Techniken sind die stärksten Einzelskills in „The Last Blade 2“ – im „Kraft“-Modus kann eine einzige Super-Technik über 50 % der Lebensleiste des Gegners abziehen. In hochklassigen Kämpfen tasten sich beide Seiten ab – bis einer die Wutanzeige voll hat – in diesem Moment ändert sich das Tempo des gesamten Kampfes schlagartig.
IV. Charakter-Taktiken und Boss-Strategien
Die fünf wichtigsten Charakter-Taktiken
Kaede — Die „Technik“-Druckmaschine
Kaedes Kerntaktik im „Technik“-Modus ist: Leichter Schlag (A) → Ketten-Schwerer Schlag (B) → Hayate-Zan (Spezial) → Super-Technik Renjin-Zan zum Abschluss. Seine Kombo-Kette ist die flüssigste im Spiel – jeder Abbruch eines Angriffs bietet genügend Zeit, um den Treffer zu bestätigen. Sei nicht gierig – wenn der Gegner den ersten leichten Schlag blockt, nutze sofort den Tritt (C), um den Kampf aus der Distanz zurückzusetzen.
Moriya — Ein Schlag, ein Sieg
Im „Kraft“-Modus ist Moriya am gefährlichsten. Sein „Ittou-Tsukikage“ ist extrem schnell – es sieht aus wie eine Verteidigungsbewegung, ist aber in Wahrheit ein Null-Frame-Angriff aus der eingesteckten Position. Kerntaktik: Entfessle Tsukikage in dem Moment, in dem der Gegner näher kommt – da seine Trefferbox beim Ziehen des Schwertes bei Null liegt – und füge nach dem Ziehen während der Lähmung des Gegners eine Super-Technik hinzu. Greife nicht an, wenn der Gegner über den ganzen Bildschirm rennt – Moriyas kontinuierlicher Druck ist weit weniger stark als der von Kaede, aber das Potenzial für einen einzelnen Ausbruch ist unübertroffen.
Setsuna — Verschwinden und Wiedererscheinen
Setsunas „Mujou-Yamatsune“ lässt ihn für etwa 1 Sekunde vom Bildschirm verschwinden, um dann aus einer beliebigen Richtung wieder aufzutauchen und zuzuschlagen. Der Gegner muss in dieser Zeit die Richtung deines Erscheinens vorhersehen. Kerntaktik: Erscheine nicht immer von hinten – wenn der Gegner beginnt, hinten zu antizipieren, tauche das nächste Mal von oben mit einem Luftangriff auf. Seine Stärke ist es, den Gegner in einem ständigen „Raten“ zu halten – der Preis für einen falschen Tipp ist eine komplette dunkle Kombo.
Yuki — Einfrieren, Töten
Yukis Kerntaktik ist „Eissäulen-Blockade → Schwert-Verfolgung“. Platziere Eissäulen auf dem Rückzugsweg des Gegners – der Gegner wird entweder eingefroren oder muss sich dir nähern und in deine Schwertreichweite kommen. Yuki ist kein Charakter, den man mit reiner Reaktionsgeschwindigkeit spielen kann – du musst die Position der Eissäulen drei Züge im Voraus planen.
Kouryu — Der Beherrscher der Zeit
Als Endboss ist Kouryu's Zeitmanipulation der größte asymmetrische Vorteil im Spiel. Die Strategie gegen die Zeitstopp-Phase ist: Nutze nach dem Zeitstopp deine Konter-Technik (Parade), um seinen ersten Schlag vorherzusehen – auch wenn das Timing der Parade während des Zeitstopps rein auf Vorhersehbarkeit basiert, ist dies deine einzige Verteidigungsmöglichkeit. Zeitumkehr-Phase – Führe in dieser Zeit keine Moves aus, sondern verteidige dich nur – lass ihn den Zeitumkehr-Effekt verschwenden.
V. Spieltipps und fortgeschrittene Strategien
5.1 Leitfaden zur Schwert-Wahl
- Anfänger → Kraft (Power): Du musst keine Ketten-Abbrüche lernen, konzentriere dich darauf, „ob du triffst“, nicht „wie lang die Kombo ist“. Der hohe Schaden von Kraft bedeutet, dass jeder Treffer Gewicht hat.
- Erfahrung mit Street Fighter/KOF → Technik (Speed): Die Abbruch-Logik von Ketten-Kombos ähnelt KOF/Street Fighter, aber du musst dich an das engere Zeitfenster gewöhnen.
- Top-Spieler → Extrem (Extreme): Sobald deine Verteidigung und Positionierung so gut sind, dass du selten getroffen wirst, ist der Extrem-Modus die Bühne, um absolute Dominanz zu zeigen. „Extrem“-Kaede und „Extrem“-Setsuna sind in der kompetitiven Szene die ultimative Wahl.
5.2 Allgemeine Kampftechniken
- Die Parade ist der am meisten unterschätzte Sieg-Skill: In „The Last Blade 2“ ist der Konter nach einer erfolgreichen Parade das Fenster mit der höchsten Belohnung im Spiel. Es geht nicht darum, den Gegner mit einer Kombo zu töten – es geht darum, seinen entscheidenden Move zu parieren und ihm eine volle Kombo zu verpassen, während er noch darüber nachdenkt, „was ich gerade eigentlich gemacht habe“.
- Wut-Super-Techniken sind nicht nur zum „Abschluss“ da: Viele Anfänger sparen sich die Super-Technik für den Moment, in dem der Gegner wenig Leben hat. Aber genau dann sollte man sie am wenigsten einsetzen – in einem ausgeglichenen Kampf entscheidet die erste erfolgreich gelandete Super-Technik über die psychologische Haltung des gesamten Kampfes. Setze die Super-Technik entschlossen ein, wenn der Gegner bei etwa 60-70 % Leben ist – der psychologische Druck nach einem Treffer ist tödlicher als der reine Schadensabzug.
- Wurf-Durchbruch – Es ist nicht nur Schwertkampf: Wenn der Gegner kontinuierlich blockt, ist Vorwärts-Dash + Wurf die effizienteste Methode, die Verteidigung zu brechen. Obwohl der Schaden von Würfen in „The Last Blade 2“ nicht hoch ist, bietet die Aufsteh-Animation nach dem Wurf dem Angreifer ein perfektes Fenster für „Okizeme“ (Druck beim Aufstehen).
5.3 Fortgeschrittenes Wissen
- Der versteckte Preis des „Extrem“-Modus: Der erlittene Schaden im „Extrem“-Modus beträgt etwa 150-160 % des normalen Modus. Das bedeutet, dass eine Kombo, die dich im „Kraft“-Modus etwa 30 % Leben kostet, im „Extrem“-Modus fast 50 % abziehen kann. Bevor du den Extrem-Modus wählst, stelle sicher, dass du Vertrauen in deine Verteidigungsfähigkeiten hast.
- Der Soundtrack der Neo Geo CD-Version: Die neu arrangierte Musik der CD-Version gilt als einer der schönsten Soundtracks in der SNK-Geschichte. Die Verschmelzung von Shamisen, Shakuhachi und Klavier im Hauptthema erzeugt eine melancholische Stimmung von fallenden Kirschblüten im Mondlicht – was in einem knallharten Kampfspiel extrem selten ist.
VI. Kuriositäten und Arcade-Legenden
6.1 Die Ästhetik der „Gekka“-Benennung
Der japanische Titel „Gekka no Kenshi“ ist selbst ein kleiner Roman – „Bakumatsu“ weist auf den historischen Hintergrund hin, „Roman“ bedeutet im Japanischen nicht nur „Liebe“ – es ist eher eine idealistische, fast tragische, ästhetische Suche. Und „Gekka“ – Mondlicht – taucht in der gesamten Serie immer wieder in der Bildsprache auf. Jeder Kampfplatz hat einen einzigartigen Einfallswinkel des Mondlichts. Das Kunstteam von SNK hat die Szene „Duell im Mondlicht“, die in der Realität fast unmöglich ist, zum poetischsten visuellen Thema der Kampfspielgeschichte gemacht.
6.2 „Parade“ – Die vergessene SNK-Verteidigungsrevolution
„The Last Blade“ und „Samurai Shodown II“ (1994) waren die ersten Kampfspiele, die ein „aktives Block-Konter“-System einführten. Die D-Taste-Parade von „The Last Blade“ ist ästhetisch eleganter als der Block-Konter von „Samurai Shodown“: Der Charakter blockt nicht mit dem Schwert, sondern wehrt den Angriff mit einer fast unsichtbaren Körperdrehung ab, steckt gleichzeitig das Schwert ein, macht einen Schritt und kontert mit einem Schwertstreich. Drei Jahre später brachte Capcoms „Street Fighter III“ (1997) dasselbe Konzept unter dem Namen „Parry“ weltweit bekannt. SNK war bei Systeminnovationen immer einen Schritt voraus.
6.3 Akari Ichijo: „Interessanter als KOF“
Akari Ichijo ist die „Überraschungsbox“ von „The Last Blade 2“. Ihre Moves enthalten Dutzende von Parodien auf Moves anderer SNK-Kampfspielcharaktere – Haohmarus Wirbelwind, Iori Yagamis „Ya Sakazuki“ und mehrere Easter Eggs aus „Fatal Fury“. In einem grausamen Kampf auf Leben und Tod bringt eine fröhliche, Talismane werfende kleine Onmyoji alle ernsten Samurai durcheinander – diese „SNK-typische Selbstironie“ ist eine Erzählweise, die Capcom völlig fehlt.
6.4 Dreamcast-Portierung – Die erste westliche Erfahrung
Die erste offizielle westliche Veröffentlichung von „The Last Blade 2“ war die Dreamcast-Portierung aus dem Jahr 2000 mit dem Titel „The Last Blade 2: Heart of the Samurai“. Zuvor konnten nordamerikanische und europäische Spieler das Spiel nur über teure Neo Geo AES-Module (je 200-300 $) oder inoffizielle Kanäle spielen. Das Erscheinen der Dreamcast-Version brachte die „The Last Blade“-Serie zum ersten Mal in das Blickfeld der westlichen Mainstream-Kampfspiel-Community – obwohl es zu spät war (der Lebenszyklus der DC endete bald), war der hinterlassene Eindruck tief genug, um zwanzig Jahre später immer wieder neu entdeckt zu werden.
6.5 „Das letzte Schwert im Mondlicht“ – Das Ende der SNK 2D-Kampfspiele
1998 – als „The Last Blade 2“ auf dem Neo Geo veröffentlicht wurde, befand sich die gesamte Arcade-Industrie in einem schwierigen Wandel von 2D zu 3D. Die 2D-Leistung der Neo Geo-Hardware von SNK war in den 1990er Jahren unübertroffen, aber bis 1998 begann selbst SNK mit 3D-Kampfspielen zu experimentieren („Buriki One“ etc.). „The Last Blade 2“ ist das letzte brandneue Werk von SNK im Bereich der reinen 2D-Schwertkämpfe. Es versuchte nicht, dem 3D-Trend zu folgen – es wählte stattdessen, auf der Leinwand des 2D, die gerade verschwand, den perfekten letzten Pinselstrich zu setzen. In diesem Sinne ist „The Last Blade 2“ nicht nur eines der besten Spiele von SNK – es ist das Requiem einer ganzen Ära.
6.6 Wiedergeburt in ACA Neo Geo
2018 erschien „The Last Blade 2“ als Teil der ACA Neo Geo-Serie für Nintendo Switch, PlayStation 4 und Xbox One. Auf modernen Bildschirmen zwanzig Jahre später lassen dich die Pixel-Animationen von 1998 – das Fließen des Mondlichts auf der Klinge, die Frames der Kirschblüten, die von den Zweigen fallen, der Effekt des zerbrechenden Bildschirms bei einem Blitzeinschlag – immer noch nicht den Blick abwenden. Die ACA-Portierung der Hamster Corporation bewahrt alle Frames und den Arcade-Modus des Originals und fügt Online-Ranglisten hinzu. Für die alten „The Last Blade“-Spieler aus den Arcade-Hallen von damals ist dies vielleicht das „letzte Schwert im Mondlicht“.















