I. Spielhintergrund
1.1 Die Welt von Samurai Shodown II
Die Geschichte von „Samurai Shodown II“ (in Japan als Shin Samurai Spirits: Haohmaru Jigokuhen bekannt) spielt im Japan des Jahres 1789, ein Jahr nachdem der Aufstand von Shiro Tokisada Amakusa niedergeschlagen wurde. Doch der Frieden währt nur kurz: Ein rachsüchtiger Geist namens „Mizuki Rashojin“ ergreift Besitz von einer Schrein-Priesterin und versucht im Namen des dunklen Gottes „Ambrosia“, die Welt erneut ins Chaos zu stürzen.
Die Überlebenden des ersten Teils – Haohmaru, Nakoruru, Ukyo Tachibana, Galford, Hanzo Hattori und andere – ziehen erneut ihre Klingen. Gleichzeitig treten neue Gesichter in diesen Kampf der Seelen ein: Haohmarus Erzrivale Genjuro Kibagami, Nakorurus jüngere Schwester Cham Cham, der preußische Ritter Neinhalt Sieger und der alte Mönch Nicotine Caffeine, der Haohmaru und Genjuro einst ausbildete. In den Tiefen der Unterwelt warten Mizuki Rashojin und ihre atemberaubenden übernatürlichen Kräfte auf sie.
Die Welt von „Samurai Shodown II“ ist düsterer und epischer als die des Vorgängers. War das erste Spiel noch eine Art Tuschezeichnung, so ist der zweite Teil ein vollendetes, farbenprächtiges Rollbild, das vor blutiger Ukiyo-e-Ästhetik nur so strotzt.
1.2 Entwicklungsgeschichte
„Samurai Shodown II“ wurde am 28. Oktober 1994 von SNK weltweit für das Neo-Geo-MVS-Arcade-System veröffentlicht. Produzent war Eikichi Kawasaki, das Design stammte von Yasushi Adachi, und der Soundtrack wurde von Yasumasa Yamada und Yasuo Yamate komponiert.
Der Vorgänger (1993) hatte sich bereits durch das einzigartige Konzept des „Waffenkampfes“ einen Namen gemacht, war aber spielmechanisch noch recht rau. SNK traf für die Fortsetzung eine mutige Entscheidung: Statt nur neue Charaktere hinzuzufügen, wurde das System von Grund auf neu konzipiert. Rollen, kleine Sprünge, Ducken, Parieren, POW-Spezialangriffe und das Waffenzerstörungssystem veränderten die Kampflogik fundamental. Das Ergebnis: „Samurai Shodown II“ übertraf den Vorgänger bei weitem und wurde zum ultimativen Maßstab für Waffenkampfspiele, der über zwei Jahrzehnte lang immer wieder zitiert wurde.
Das Spiel war ein riesiger kommerzieller Erfolg – es belegte 1995 den achten Platz der japanischen Arcade-Charts, und die AES- sowie CD-Versionen verkauften sich in Japan insgesamt 335.505 Mal. Es gilt als SNKs stärkster Schlag im Kampf gegen Capcom in den 90er Jahren – ein Beweis dafür, dass SNK nicht nur mithalten, sondern das Genre völlig neu definieren konnte.
II. Charaktervorstellung
„Samurai Shodown II“ bietet 15 spielbare Charaktere plus 2 Bosse – eines der vielfältigsten Roster der Arcade-Ära von 1994.
Start-Charaktere (Rückkehrer)
Haohmaru
| Attribut | Bewertung |
|---|---|
| Angriffskraft | ★★★★★ |
| Geschwindigkeit | ★★★☆☆ |
| Spezialtechniken | ★★★★☆ |
| Schwierigkeit | ★★☆☆☆ |
- Waffe: Fugu-doku (ein breites Nodachi).
- Markenzeichen: Senpuu Retsuzan (ein Tornado-Projektil); Kogetsu-zan (ein aufsteigender Schlag); Tenba Fuujin-zan (die ultimative POW-Combo).
- Fazit: Ein klassischer „Fireball & Dragon Punch“-Charakter, ideal für Street-Fighter-Spieler. Haohmarus schwere Schläge sind die stärksten im Spiel – ein Treffer kann 1/3 der Lebensenergie kosten.
Nakoruru
| Attribut | Bewertung |
|---|---|
| Angriffskraft | ★★☆☆☆ |
| Geschwindigkeit | ★★★★★ |
| Spezialtechniken | ★★★★☆ |
| Schwierigkeit | ★★★★☆ |
- Waffe: Chichi-ushi (ein rituelles Messer der Ainu).
- Markenzeichen: Mamahaha-Angriffe (mit ihrem Falken); Annu Mutsube (schneller Sturmangriff); Flugmanöver auf dem Falken.
- Fazit: Eine der ikonischsten Schwertkämpferinnen der Spielegeschichte. Sie ist extrem schnell und nutzt ihren Falken zur Distanzkontrolle.
Ukyo Tachibana
| Attribut | Bewertung |
|---|---|
| Angriffskraft | ★★★★☆ |
| Geschwindigkeit | ★★★★☆ |
| Spezialtechniken | ★★★★★ |
| Schwierigkeit | ★★★★☆ |
- Waffe: Mumei (ein schmales, selbstgefertigtes Schwert).
- Markenzeichen: Tsubame Gaeshi (ein blitzschneller Konter-Stich); Apfel-Wurf (das eleganteste Projektil im Spiel).
- Fazit: Der Inbegriff des einsamen Schwertkämpfers. Seine Technik basiert auf Iaijutsu (schnelles Ziehen des Schwertes) – präzise und tödlich.
Hanzo Hattori
| Attribut | Bewertung |
|---|---|
| Angriffskraft | ★★★☆☆ |
| Geschwindigkeit | ★★★★★ |
| Spezialtechniken | ★★★★☆ |
| Schwierigkeit | ★★★★★ |
- Waffe: Ninjato.
- Markenzeichen: Teleportation, Doppelgänger und explosive Fallen.
- Fazit: Ein Charakter, der auf Täuschung setzt. Hanzo ist extrem schwer zu meistern, da er bei einem Fehler aufgrund seiner geringen Lebensenergie schnell besiegt werden kann.
Galford D. Weller
| Attribut | Bewertung |
|---|---|
| Angriffskraft | ★★★☆☆ |
| Geschwindigkeit | ★★★★☆ |
| Spezialtechniken | ★★★☆☆ |
| Schwierigkeit | ★★★★☆ |
- Waffe: Ninjato.
- Markenzeichen: Plasma Blade (Elektro-Projektil); sein treuer Hund Poppy.
- Fazit: Ein amerikanischer Ninja mit einer Vorliebe für Gerechtigkeit. Sein Stil ist unterhaltsam und erinnert an US-Superhelden-Comics.
Kyoshiro Senryo
Ein Kabuki-Künstler, der Fächer als Waffen nutzt. Sein Stil verbindet theatralische Posen mit tödlicher Präzision.
Jubei Yagyu
Ein legendärer Schwertkämpfer, der für seine Konter-Techniken und schnellen Stiche bekannt ist.
Gen-an Shiranui
Ein bizarrer Dämonenkrieger mit riesigen Klauen, der durch den Boden angreifen kann.
Wan-Fu
Ein chinesischer General mit einem massiven Dao-Schwert, das eine enorme Reichweite besitzt.
Earthquake
Ein riesiger amerikanischer Ninja mit einer Kusarigama (Kettensichel). Er ist groß, aber ein leichtes Ziel.
Charlotte
Eine französische Fechterin, die auf Schnelligkeit und präzise Stiche setzt.
Neue Charaktere
Genjuro Kibagami
| Attribut | Bewertung |
|---|---|
| Angriffskraft | ★★★★★ |
| Geschwindigkeit | ★★★☆☆ |
| Spezialtechniken | ★★★★★ |
| Schwierigkeit | ★★★☆☆ |
- Waffe: Baika-doku (ein verfluchtes Schwert).
- Markenzeichen: Ren-satsu-zan (eine dreiteilige Combo mit verschiedenen Endungen); Hanafuda-Kartenwurf.
- Fazit: Haohmarus dunkler Rivale. Sein Spielstil ist extrem aggressiv und unberechenbar.
Cham Cham
| Attribut | Bewertung |
|---|---|
| Angriffskraft | ★★★☆☆ |
| Geschwindigkeit | ★★★★★ |
| Spezialtechniken | ★★★☆☆ |
| Schwierigkeit | ★★★☆☆ |
- Waffe: Bumerang.
- Markenzeichen: Bumerang-Würfe und ihr Affe Paku Paku.
- Fazit: Eine quirlige Kämpferin, die frischen Wind in das Spiel bringt. Ihre Hintergrundgeschichte ist überraschend tragisch.
Neinhalt Sieger
| Attribut | Bewertung |
|---|---|
| Angriffskraft | ★★★★★ |
| Geschwindigkeit | ★★☆☆☆ |
| Spezialtechniken | ★★★★☆ |
| Schwierigkeit | ★★★☆☆ |
- Waffe: Dampfbetriebene mechanische Faust.
- Markenzeichen: Kanonenschüsse und Schockwellen.
- Fazit: Ein preußischer Ritter, der mit roher Gewalt statt mit Schwertkunst kämpft – ein kontroverser, aber einzigartiger Charakter.
Nicotine Caffeine
| Attribut | Bewertung |
|---|---|
| Angriffskraft | ★★☆☆☆ |
| Geschwindigkeit | ★★★★★ |
| Spezialtechniken | ★★★★★ |
| Schwierigkeit | ★★★★★ |
- Waffe: Zen-Stab.
- Markenzeichen: Gedächtnisverlust-Schlag (verwirrt den Gegner).
- Fazit: Der Lehrmeister von Haohmaru und Genjuro. Er setzt auf psychologische Kriegsführung statt auf rohe Kraft.
Bosse
Mizuki Rashojin — Endboss
Die erste weibliche Endbossin der Serie. Sie nutzt Dämonenmagie und kann ihre Form ändern. Ein extrem herausfordernder Gegner.
Kuroko — Geheimer Charakter
Eigentlich der Schiedsrichter, kann er unter bestimmten Bedingungen als spielbarer Charakter freigeschaltet werden. Er beherrscht Techniken aus anderen SNK-Spielen.
III. Steuerung und Spielmechanik
3.1 Grundlagen
„Samurai Shodown II“ nutzt das klassische 4-Tasten-Layout des Neo Geo:
| Taste | Aktion | Beschreibung |
|---|---|---|
| A (Leichter Schlag) | Schneller Angriff | Ideal für Combos und Unterbrechungen |
| B (Mittlerer Schlag) | Ausgewogener Angriff | Gute Mischung aus Tempo und Schaden |
| A+B (Schwerer Schlag) | Wuchtschlag | Enormer Schaden, kann 1/3 der Lebensenergie kosten |
| C (Leichter Tritt) | Schneller Tritt | Tiefer Angriff |
| D (Mittlerer Tritt) | Distanz-Tritt | Zur Kontrolle der Distanz |
| C+D (Schwerer Tritt) | Schwerer Tritt | Starker tiefer Angriff |
3.2 Revolutionäre Systeme
Wut-System (POW): Wenn die POW-Leiste voll ist, wird der Charakter „wütend“, was den Schaden erhöht und Spezialtechniken freischaltet.
Waffenzerstörung: Wenn ein Spezialangriff bei voller POW-Leiste trifft, wird die Waffe des Gegners dauerhaft zerstört. Der Gegner muss dann mit bloßen Händen kämpfen, bis ein Kurier („Hikyaku“) eine Ersatzwaffe bringt.
Parieren (Parry): „Samurai Shodown II“ war das erste Spiel mit einem „offensiven Pariersystem“. Im richtigen Moment gedrückt, wird der gegnerische Angriff abgewehrt und der Gegner kurzzeitig gelähmt.
Bewegungssystem: Rollen, kleine Sprünge und Ducken ermöglichen es, Projektilen auszuweichen.
IV. Strategie-Tipps
- Haohmaru: Setze auf den schweren Schlag, aber nur, wenn du dir sicher bist, dass er trifft.
- Genjuro: Nutze die verschiedenen Endungen seiner Combo, um den Gegner zu verwirren.
- Nakoruru: Bleib immer in Bewegung und nutze den Falken zur Distanzkontrolle.
- Nicotine: Lass den Gegner kommen und nutze den Gedächtnisverlust-Schlag, um seinen Rhythmus zu brechen.
- Mizuki: Greife nur an, wenn sie ihre Dämonen beschworen hat und eine kurze Abklingzeit hat.
V. Profi-Tipps
- Schwere Schläge sind kein Spielzeug: Ein verfehlter Schlag lässt dich offen für einen massiven Konter.
- POW-Leiste managen: Nutze den Wut-Bonus, bevor du den Spezialangriff verschwendest.
- Rollen ist unterschätzt: Nutze es, um Projektile zu durchqueren.
- Ducken ist taktisch: Viele Angriffe gehen über dich hinweg.
- Waffenlose Phase nutzen: Wenn der Gegner keine Waffe hat, ist das deine Chance, den Kampf zu beenden.
VI. Trivia und Legenden
- Parieren: Das System wurde später von Capcoms „Street Fighter III“ perfektioniert.
- Seppuku: Ein extrem düsteres Feature, bei dem Charaktere bei einer Niederlage ohne Schaden Selbstmord begehen.
- Mizuki: Eine der am meisten unterschätzten Boss-Charaktere der Kampfspielgeschichte.
- Cham Cham: Ihre Geschichte ist eine der traurigsten der Serie, da sie nicht weiß, dass ihr Bruder in ihren Affen verwandelt wurde.
- Hikyaku: Der Kurier wurde zu einem beliebten Easter Egg in vielen SNK-Spielen.
- Engrish: Die englischen Texte im Intro sind legendär für ihre fehlerhafte Grammatik, was sie zu einem Kult-Teil des Spiels macht.











