I. Spielhintergrund
1.1 Die Welt von Street Fighter III
Die Geschichte von Street Fighter III: 3rd Strike spielt einige Jahre nach den Ereignissen von Street Fighter II. Eine mysteriöse Organisation namens „Illuminati“ (Secret Society) tritt unter der Führung von Gill aus dem Schatten hervor, mit dem Ziel, eine „neue Weltordnung“ zu etablieren, indem sie die globalen politischen und wirtschaftlichen Fäden zieht. Gill, der sich selbst als die ultimative Form der menschlichen Evolution betrachtet, besitzt die Macht über Feuer und Eis; sein halb roter, halb blauer Körper ist ein Symbol seiner göttlichen Ambitionen. Um würdige Kämpfer zu finden, die ihn herausfordern können, veranstaltet Gill ein neues World Warrior-Turnier.
Der Protagonist des Spiels, Alex, ist ein junger Wrestler aus New York, der sich auf einen Rachefeldzug begibt, nachdem sein Mentor Tom von Gills Schergen schwer verletzt wurde. Parallel dazu verfolgt Ryu seinen Weg zur wahren Stärke, Chun-Li untersucht die Verschwörung der Illuminati und viele weitere Charaktere folgen ihren eigenen Schicksalswegen. Diese Handlungsstränge führen schließlich zum ultimativen Showdown mit Gill im Tempel der Illuminati.
1.2 Entwicklungsgeschichte
Street Fighter III: 3rd Strike wurde von Capcoms Arcade-Abteilung entwickelt und erschien am 12. Mai 1999 in japanischen Spielhallen. Es ist die dritte und finale Version der Street Fighter III-Serie. Das Spiel lief auf der hauseigenen CPS-3-Hardware (CP System III) – Capcoms letzter dedizierter Arcade-Plattform, bevor das Unternehmen auf Segas NAOMI-System umstieg. Die CPS-3 war mit einem Hitachi SH-2-Prozessor (25 MHz) und 8x16 MB Flash-ROM ausgestattet. Sie unterstützte eine Auflösung von 384x224 bei 32.768 Farben und konnte bis zu 1024 Sprites mit Hardware-Skalierung darstellen – ein technisches Meisterwerk für 2D-Kampfspiele jener Zeit.
Produzent und Regisseur war Tomoshi Sadamoto. Das Kernteam arbeitete etwa vier Jahre lang an dem Projekt und etablierte das „Parry-System“ und das „Super Arts Select“-System als zentrale Säulen. Bezüglich der Eingabe für das Parry-System bestand Sadamoto ursprünglich darauf, den Stick nach hinten zu ziehen, um die Einstiegshürde zu senken. Jüngere Teammitglieder und Profis lehnten dies jedoch ab, da es „zu einfach und risikolos“ sei. Die Entscheidung für die Vorwärts-Eingabe wurde getroffen – ein Kompromiss, der unzählige legendäre Momente ermöglichte. Das Spiel wurde 2000 auf Dreamcast portiert und später auf PlayStation 2, Xbox 360 und weitere Plattformen gebracht. Als Abschiedsgeschenk der CPS-3-Ära gilt 3rd Strike bis heute als eines der besten Kampfspiele aller Zeiten.
II. Charaktervorstellung
Das Spiel bietet 19 spielbare Charaktere (ohne den in Konsolenversionen freischaltbaren Gill), darunter Rückkehrer aus den Vorgängern und völlig neue Kämpfer.
| Charakter | Kampfstil | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Alex | Pro-Wrestling/Kickboxen | Protagonist, Kraftpaket mit starken Würfen und Vorstößen |
| Ryu | Ansatsuken/Karate | Der Klassiker: Hadoken, Shoryuken und Tatsumaki-Senpukyaku |
| Ken | Ansatsuken/Karate | Fokus auf aggressive Shoryuken-Combos, Star des Evo Moment #37 |
| Chun-Li | Chinesische Kampfkunst | Schnelle Kicks und exzellente Distanzkontrolle |
| Yun | Chinesische Kampfkunst | Sein „Genei Jin“ ist eine der stärksten Super Arts |
| Yang | Chinesische Kampfkunst | Zwillingsbruder von Yun, schneller, aber weniger Schlagkraft |
| Dudley | Englisches Boxen | Eleganter Boxer mit schnellen Jabs und Kombos |
| Makoto | Karate | Neue Kämpferin mit enormem Schadenspotenzial |
| Ibuki | Ninjutsu | Schnelle Bewegungen, Kunai-Einsatz und Druckaufbau |
| Elena | Capoeira | Afrikanische Prinzessin mit einzigartiger Heilungs-Super-Art |
| Oro | Senjutsu | Einsiedler mit großer Reichweite und unvorhersehbarem Stil |
| Sean | Shotokan-Karate | Kens Schüler, bekannt für seine Basketball-Combos |
| Hugo | Pro-Wrestling | Ein Riese aus Final Fight mit verheerenden Würfen |
| Urien | Pankration | Gills Bruder, spezialisiert auf „Aegis Reflector“-Fallen |
| Necro | Elektrokinese | Experimentelles Wesen mit dehnbaren Gliedmaßen |
| Remy | Savate | Fokus auf Projektil-Kontrolle und Konter |
| Twelve | Morphing | Biowaffe, die Gegner imitieren kann, aber sehr zerbrechlich ist |
| Q | Unbekannt | Mysteriöser Kämpfer in Metallrüstung, langsam aber schlagkräftig |
| Akuma | Ansatsuken | Geheimcharakter, extrem stark, aber mit sehr wenig Lebensenergie |
Der Endboss Gill ist in Konsolenversionen spielbar, wird aber in Turnieren meist gesperrt. Mit seinen Vollbild-Angriffen, der Wiederbelebungsfähigkeit (RESURRECTION) und seinen Feuer-Eis-Kräften ist er einer der beeindruckendsten Bosse der Seriengeschichte.
III. Steuerung
3.1 Grundsteuerung
Street Fighter III: 3rd Strike nutzt das klassische 6-Tasten-Layout:
| Taste | Funktion |
|---|---|
| Leichter Schlag | Schnell, gut für Combos und Annäherung |
| Mittlerer Schlag | Balance aus Schaden und Reichweite |
| Schwerer Schlag | Hoher Schaden, langsam, ideal für Bestrafungen |
| Leichter Tritt | Schnell, gut für Druckaufbau |
| Mittlerer Tritt | Gute Reichweite für Distanzkontrolle |
| Schwerer Tritt | Hoher Schaden, oft als Anti-Air genutzt |
3.2 Parry-System und Super Arts
Das Parry-System ist das Herzstück des Spiels. Im Moment des gegnerischen Angriffs (6-Frame-Fenster) drückt man den Stick nach vorne (für hohe/mittlere Angriffe) oder nach unten (für tiefe Angriffe), um den Schlag komplett zu neutralisieren – ohne Schaden, ohne Block-Stun, sofort bereit für einen Gegenangriff. Dies belohnt Reaktion und Vorhersehbarkeit.
Super Arts Select: Jeder Charakter hat drei verschiedene Super Arts. Vor dem Kampf muss eine gewählt werden. Sie unterscheiden sich in Balkenlänge, Schaden und Taktik. Ein Beispiel ist Yuns „Genei Jin“, das mit nur einem Balken lange Kombos ermöglicht, oder Chun-Lis „Hoyokusen“, das im legendären Evo Moment #37 komplett pariert wurde. Zudem gibt es EX-Moves: Durch Verbrauch eines Teils der Super-Leiste werden Spezialangriffe verstärkt.
IV. Spielverlauf und Boss-Strategien
Im Arcade-Modus kämpfst du dich durch verschiedene Gegner bis zum finalen Boss Gill.
| Ort | Gegner | Strategie-Tipp |
|---|---|---|
| New York | Zufällig | Lerne die Verteidigungsmuster des Gegners kennen |
| Afrika | Elena | Halte Distanz und kontere nach ihren Kicks |
| Japan | Ryu/Ken | Nutze Parries gegen ihre Hadokens |
| London | Dudley | Vorsicht vor seinen schnellen Box-Kombos |
| Untergrund | Hugo | Vermeide den Nahkampf, nutze Mobilität |
| Basis | Urien | Achte auf seine Reflektor-Fallen |
| Tempel | Gill | Aggressiv bleiben, seine Wiederbelebung verhindern |
Das Bonus-Level „Car Smash“ ist ein Klassiker: Zerstöre das Auto in der vorgegebenen Zeit!
V. Tipps für Fortgeschrittene
- Parry gegen Projektile: Das Blocken von Hadokens per Parry ist risikofrei und öffnet ein Zeitfenster für Gegenangriffe.
- Wähle die richtige Super Art: Yuns „Genei Jin“ ist oft die beste Wahl für konstanten Druck.
- EX-Moves nutzen: Spare nicht nur auf die Super Art; EX-Shoryukens sind exzellente Anti-Air-Optionen.
- Luft-Parry: Nutze Parries in der Luft, um gegnerische Anti-Air-Angriffe zu neutralisieren.
- Würfe brechen Parries: Wenn ein Gegner zu viel pariert, sind Würfe das beste Mittel, um seine Verteidigung zu durchbrechen.
VI. Trivia und Legenden
6.1 "Evo Moment #37"
Am 1. August 2004 vollbrachte Daigo Umehara das Unmögliche: Er parierte alle 15 Treffer von Chun-Lis Super Art und konterte zum Sieg. Dieser Moment gilt als der größte in der Geschichte des E-Sports.
6.2 "Let's Go Justin!"
Der legendäre Ausruf aus dem Publikum für Justin Wong wurde nach Daigos Comeback zum Running Gag der Kampfspiel-Community.
6.3 Die Parry-Debatte
Die Entscheidung, Parries durch Vorwärts-Eingabe auszulösen, war ein hart umkämpfter Kompromiss, der das Spiel erst so kompetitiv machte.
6.4 CPS-3 Hardware
Die CPS-3 war Capcoms letzte dedizierte Arcade-Plattform. Aufgrund der Batterien, die bei Ausfall die Hardware unbrauchbar machen, sind funktionierende Boards heute extrem wertvoll.






